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Die Geldmühle – Erwachen aus einem Albtraum

Ich habe das Gefühl, gerade aus einem Albtraum zu erwachen. Ich war gefangen in einer Mühle, die mich immer schneller werden ließ, immer mehr von mir verlangte, auf Ebenen, die ich gar nicht wirklich mit meiner Energie füllen wollte. Es ging dabei immer nur um´s Geld. Wie bin ich da bloß reingeraten? Das habe ich nie gewollt…

Der Anfang – Umzug an die Ostsee

Vielleicht kennst du meine Geschichte der letzten Jahre. Wenn nicht: hier ist eine kurze Zusammenfassung. Ich komme aus Hamburg und bin 1989 in die Schweiz umgezogen. Nach vielen weiteren Umzügen entschied ich mich 2015 wieder in den Norden zu ziehen, ich wollte gern am Meer leben. Um dies zu realisieren, suchte ich mir einen Job in einer Rehaklinik an der Ostsee und packte im Herbst vor zwei Jahren meine Sachen. Da ich meine Habe mit einer Spedition transportieren ließ und ein internationaler Umzug viel Geld kostet, habe ich in der Schweiz alle meine Möbel und Wohnungseinrichtung verkauft und verschenkt und bin lediglich mit 20 Umzugskartons, einem Fahrrad und einem Fernseher nach Deutschland umgezogen. Die Klink war direkt am Strand, von meiner Wohnung aus konnte ich die Ostseewellen hören, der Teil war super. Leider war die Arbeit in der Klinik gar nichts für mich – und das Gehalt unglaublich niedrig, verglichen mit meinem Einkommen in der Schweiz. Als Ärztin in einem Fulltime-Job bekam ich 2400 € ausgezahlt. Das langte für´s tägliche Leben in einer möglierten Ferienwohnung, aber ich konnte mir nicht vorstellen, davon Möbel zu kaufen oder auch einmal in den Urlaub zu fahren. Zum ersten Mal lernte ich die Lebensumstände in Deutschland aus der Nähe kennen und ich war gelinde gesagt geschockt.

Nach drei Monaten kündigte ich meine Arbeit, war ohne Einkommen und ziemlich ratlos. Wieder ein Traum geplatzt! Woher kriege ich so schnell einen neuen? Da bekam ich die Möglichkeit, wieder für meinen Arbeitgeber in der Schweiz zu arbeiten – im Home Office in Deutschland. Problem war, das es in meiner Fewo keinen Internet-Zugang gab. Der Vermieter hatte weitere Wohnungen im Angebot und stellte mir freundlicherweise eine leere Wohnung mit Wlan zur Verfügung. Dort konnte ich zeitweise gut arbeiten, sehr sehr oft war das Wlan aber zu instabil, um die Datenmenge zu übertragen. Da es um Kundenkontakte ging, konnte dies nicht so bleiben. Ich stand unter enormem Druck, dass mein Internet funktionierte. Nur so konnte ich diesen Job machen und Geld verdienen. Ich war ziemlich ratlos, wohin ich gehen sollte und was ich sonst machen sollte, da ich sehr lange schon meine eigenen beruflichen Wege ging und in keine Schublade des Arbeitsmarktes passte. So war ich froh, den Job im Home Office weitermachen zu können. Ich brauchte aber dringend eine andere Wohnung mit stabilem Internet.

Umzug nach Hamburg

So entschloss ich mich, nach Hamburg umzuziehen. Mit Hilfe einer Schulfreundin fand ich unglaublich schnell eine schöne Zweizimmerwohnung in toller Lage. Toll für eine Stadtwohnung: der Bus hält in 500 Metern Entfernung, der Flughafen ist mit dem Taxi in 10 Minuten erreicht, im Park am Alsterlauf bin ich zu Fuß in fünf Minuten. Die Wohnung war frisch renoviert, die Holzböden abgeschliffen, der Stuck wunderschön saniert, das Bad wurde gerade vergrößert und die Wanne entfernt. Küche und Bad waren ganz neu gefliest und sehr einladend. Der Knackpunkt war allerdings, dass die Küche unmöbliert war! Es gab Steckdosen und Anschlüsse für Wasser, aber keine Spüle, keinen Herd, nix. Das kannte ich so nicht aus der Schweiz, ich war sehr überrascht. Ich nahm die Wohnung, als meine Freundin mir anbot, die Küche einzurichten und mir das Geld dafür zu leihen. Sie bestellte eine wunderschöne und dabei günstige Küchenzeile mit Elektrogeräten und ich zahlte ihr das Geld in Raten bis Ende 2016 zurück. Ich hatte nun eine schöne Küche und eine stabile Internet-Verbindung und konnte häufiger für die Schweizer Firma arbeiten und Geld verdienen. So möblierte ich nach und nach meine Wohnung und sortierte mein neues Leben in Hamburg.

Mein Herzenswunsch war und ist es, als ganzheitliche Heilerin zu wirken. Ich begann daher, Spirituelle Abende und Workshops anzubieten, suchte Räume dafür, erstellte eine Webseite, Visitenkarten, Flyer und steckte viel Energie (und Geld)  in den Aufbau meines eigenen Unternehmens. Für die Schweizer Firma war ich ebenfalls freiberuflich tätig, sie fragten mich jeweils für die Einsätze an, die sie nicht mit festangestellten Ärzten besetzen konnte. Das bedeutete für mich, dass ich kein geregeltes Einkommen und keine geregelten Arbeitszeiten hatte/habe. Ich arbeitete vor allem an Wochenenden und abends, was es mir enorm erschwerte, in Hamburg private Beziehungen aufzubauen. Schließlich arbeitete ich ja von meinem Wohnzimmer aus mit Menschen in der Schweiz. Auf die Hamburger musste ich aktiv zugehen und versuchte dies auch so gut ich konnte. Aber ich gab diesem Bereich wenig Raum und Energie, denn das Thema Geld schwebte dauernd über mir und machte mich schließlich sogar krank.

Die Mühle beginnt

Ich hatte die Kücheneinrichtung bezahlt, Ende Dezember gehörte sie mir. Ende des Jahres meldete sich dann die Krankenkasse und fragte nach meinem Einkommen. Ich hatte ihnen einen geschätzten Betrag angegeben, als sie mich aufnahmen. Nun stellten sie fest, dass mein Einkommen viel höher ausgefallen war und ich damit viel zu wenig Beiträge gezahlt hatte. Es war mir nicht bekannt, dass die Höhe der Krankenkassenbeiträge vom Einkommen abhängt! Sie setzten den neuen Beitrag für 2017 fest und stellten eine Rechnung für Nachzahlungen für das vergangene Jahr…und ich fiel fast in Ohnmacht: pro Monat musste ich  ab sofort 1300 Euro Prämie zahlen! Eine monatliche Prämie von 800 €  und Nachzahlungen für jeden Monat des vergangenen Jahres in der Höhe von 500 €. Geld für Leistungen, die ich nie in Anspruch genommen hatte. Voll skurril! Und ich merkte, dass ich im laufenden Jahr, trotz der hohen Prämien, meine Medikamente und Arztbesuche auch noch selbst zahlen durfte (weil ich komplementärmedizinisch unterwegs bin).  Das deutsche Gesundheitssystem ist schwer krank und braucht dringend eine Behandlung! Anyway, ich musste zahlen, das bedeutete, ich musste mehr verdienen. Also: mehr Einsätze am Wochenende und abends, weniger Freizeit, weniger Fun.

Es dauerte mehr als ein Jahr, trotz des Einsatzes einer Steuerberaterin, bis klar war, wo ich meine Steuern zahlen darf: in der Schweiz oder in Deutschland. Ich arbeite in Hamburg für eine Schweizer Firma…. Nach langem Hin und Her wurde entschieden, dass ich in dem Land zahle, in dem ich wohne. Leider! Denn ich Deutschland sind die Steuersätze deutlich höher als in der Schweiz. Mir wurde schwindelig, als ich hörte, was das für mich bedeutet. Dann sah die Steuerberaterin mein Einkommen für 2017 durch und stellte eine Prognose über einen Steuerbetrag im fünftstelligen Bereich, den ich in meinem Kontostand nicht im entferntesten erkennen konnte. Aber eins war klar: ich musste mehr Geld verdienen, ich musste noch mehr arbeiten. Ich war in einer Mühle gefangen, die immer schneller drehte, die immer mehr Arbeit von mir verlangte, die zu immer mehr Verpflichtungen  führte. Ich war atemlos, wenn ich nur daran dachte. Und ich musste nicht etwas mehr arbeiten, um mir Träume zu erfüllen, sondern um die Verpflichtungen der Gesellschaft zu erfüllen, in der ich lebe. Und ich wusste, so war das alles nicht geplant, so will ich nicht weiter leben. Ich muss das Rad anhalten, ich muss JETZT hier raus. Mein Körper schickte mir schon lange Signale, die mir zeigten, das dies kein gesunder Lebensstil für mich ist: ich hatte Schmerzen im Kreuz und in den Beinen. Schmerzen, die meinen Bewegungsfreiraum und meinen Spaß außerhalb meiner vier Wänder stark einschränkten. Sie hielten mich gefangen in meiner Stadtwohnung ohne Sonne und mein Horizont waren die Häuserblocks auf der anderen Straßenseite. Sie sprachen von dem enormen Druck, unter dem ich stand und sagten mir klipp und klar: Kerstin, so geht es nicht mehr weiter! Frage wwar nur: wie komme ich hier bloß wieder raus?

Raus aus der Existenzangst

In dem Moment, wo mir klar wurde, dass es so nicht weitergeht, kam ein Anstoß von außen. Die Schweizer Firma teilte mir mit, dass ich ab 1.1.2018 nicht mehr im Home Office im Ausland arbeiten darf. Die Rechtsabteilung hatte juristische Bedenken angemeldet. Ich könne gern in die Schweiz zurückkommen und, wie schon  Jahre vorher, im Büro in Winterthur arbeiten. Gleichzeitig kündigte eine Kollegin und es war klar, ich würde einen Job in Festanstellung bekommen. Alternative wäre natürlich, einen neuen Job in Hamburg zu suchen. Was sagt mein Herz? Während meines Urlaubs in Spanien, fern aller Geldsorgen, suchte ich nach Antworten in meinem Innern. Ich entschied mich für einen erneuten Umzug in die Schweiz. Das bedeutet: viel organisieren, viel loslassen, viel Vertrauen haben. Nach der telefonischen Zusage, dass ich ab Januar einen Vertrag zu 60% habe, konnte mich auf die Suche nach einer Wohnung machen. Bedingung ist für mich die Nähe zu einem See und ich habe gerade eine schöne Wohnung im Internet  gesehen, die ich mir in den nächsten Tagen ansehen kann. Meine Wohnung in Hamburg habe ich auf den 31.1.18 gekündigt, suche aber einen Nachmieter auf den 1.1., denn ich möchte zwischen Weihnachen und Neujahr umziehen. Das ist in sechs Wochen! Ich hoffe auf eine Person, die meine Kücheneinrichtung zu einem guten Preis übernimmt. Möglich ist es auch noch, dass die Eigentümer dazu bereit sind; in 3 Tagen kommt ein Techiker, um sich die alles anzusehen. Zu verkaufen sind auch noch diverse Möbel, die ich nicht mitnehmen will/kann.  Ich habe zwei liebe Freunde gefunden, die mit mir und meiner Habe in die Schweiz fahren und wir müssen noch besprechen, was ich alles mitnehmen werde. Es ist mal wieder Zeit loszulassen und neu zu starten. Ich bemühe mich, das Schöne an dieser Situation im Auge zu behalten und im Vertrauen zu bleiben. Es ist mal leichter und mal weniger…

Wie konnte ich nur so in diese Mühle geraten? Das Eine ergab das Andere, ich hatte ganz andere Vorstellungen von meinem Leben. Ich wollte neue Freunde finden, meine Kreativität ausleben in Workshops und mit meiner Fotografie, wollte Einzelcoachings machen mit Menschen, die ihre Krankheiten auf ganzheitlicher Basis heilen wollen. All dies hat nicht funktioniert, für das Fotografieren war das Wetter im Hamburger Sommer so gar nicht geeignet. All dies wäre aber Nahrung für meine Seele gewesen, hätte mir Spaß gemacht, hätte meine Spannung gelöst. Ich kann nicht genau sagen, in welchem Moment ich die Mühle gestartet habe, aber ich ziehe jetzt die Notbremse, ich steige aus. Mit einem regelmäßigen Einkommen muss ich nicht mehr zu Zeiten arbeiten, die meine privaten Pläne stören. Ich habe regelmäßig Zeit für meine spirituellen und kreativen Projekte. Meine Traumwohnung hat neben dem Seeblick und viel Sonne auch einen Raum für Workshops und Einzelcoachings. Ich freue mich sehr auf ein neues Kapitel, das ich sehr bewusst gestalten werde. Meine Existenzängste, die ich tief in mir trage, haben dazu geführt, dass ich ein Leben manifestiere, in dem Geld immerzu ein Thema ist. Ich entscheide mich jetzt, Vertrauen zu meiner Lebensgrundlage zu machen.

Für alle meine Bedürfnisse ist in jedem Moment mit Leichtigkeit und Glückseligkeit gesorgt.

Eine Affirmation, die das Wurzelchakra stärkt. Der Druck in meinen Kreuz hat schon nachgelassen, meine Beine schmerzen weniger. Ich spüre, was mein Körper mir bestätigt: ich bin auf dem richtigen Weg! Wie wunderbar!!!

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich würde mich über einen Kommentar von dir freuen!

Mit herzlichem Gruß von Kerstin

 

 

 

 

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