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Angst vor Insektenstichen – oder wovor sonst?

Es ist Sommer, alles blüht und Mücken, Bienen und Wespen sind happy.  Zum Leidwesen vieler Menschen, die von ihnen gestochen werden und Angst haben. Dabei geht es nur um Insektenstiche. Oder geht es um mehr?

Insektenstiche

Als Ärztin in der telefonischen Gesundheitsberatung werde ich momentan sehr intensiv mit diesem Thema konfrontiert. Und ich bin erstaunt: es rufen viele viele viele Menschen an und senden ihre Fotos. Bilder von geschwollenen Fingern, Augen, Unterschenkeln. Die Haut ist rot, geschwollen, warm und tut zum Teil auch weh. Die Stiche sind gerade eben passiert oder auch schon vor ein paar Tagen und immer noch nicht verheilt. Meine Anrufer sind besorgt, weil sie entweder so lange brauchen, so dick sind, so schmerzhaft oder einen weißen Ring haben, der im Zusammenhang mit einem Zeckenbiß für Unruhe sorgt (habe ich eine Infektion mit Borrelien?). Am Telefon habe ich den Eindruck, dass in diesem Sommer entweder die Insekten ein besonders reizendes Gift absondern oder aber die gestochenen Menschen ungewohnt heftig reagieren. Ich sehe auf den Fotos tatsächlich sehr ausgedehnte Schwellungen und heftige Reaktionen, die aber ausschließlich auf die Stelle des Einstichs beschränkt sind. Schwere allergische Reaktionen mit einem Kreislaufkollaps gibt es zum Glück selten.

Die Angst ist groß

Was die Anrufer dazu bringt, bei unserer Beratungsstelle anzurufen, sind also vordergründig Fragen zur Versorgung ihrer Hautschwellung. Da kann ich ihnen die bekannten Hilfsmittel nennen wie das Kühlen mit Eis, Meiden von direkter Sonnenbestrahlung und Erhitzung durch körperliche Anstrengung. Dazu könen sie Quark auflegen, kühlende Mückenstifte und Salben benutzen, Antihistaminika (Heuschnupfen-Mittel) schlucken, homöopathisches Apis nehmen und einfach alles einsetzten, was die Schwellung und den Juckzreiz reduziert. Ich stelle fest, dass die meisten Anrufer diese Tricks kennen und auch schon angewandt haben. Aber die Schwellung ist nicht innerhalb der Zeit verschwunden, die sie sich vorstellen. Oder der Stich ist gerade erst passiert und sie wissen nun nicht, was geschehen wird. Sie rufen an, weil sie Angst haben. Angst vor dem Ungewissen, Angst etwas zu verpassen in der Behandlung, Angst dass es schlimmer wird. Das ist wirklich auffällig: ein kleiner Stich macht große Angst. Ich denke dabei manchmal an die Mücke und den Elefanten…aber ich nehme die Menschen auch ernst in ihrer Angst und möchte ihnen helfen. Das ist gar nicht so einfach. Denn ich habe den Eindruck, es geht gar nicht nur um den Stich. Es steckt mehr dahinter.

Eine Grund-Angst: ich werde sterben

Es ist für mich wirklich auffällig, wie aufgeregt und besorgt meine Anrufer sind. Ganz objektiv haben sie keine großen Beschwerden. Aber sie finden keine Ruhe und denken unentwegt daran, was sich aus diesem Stich entwickeln kann. Wieder objektiv beantwortet: es gibt selten einmal bakterielle Infektionen, wenn man den Stich aufgekratzt hat. Ganz ganz selten. Dann ist der Einsatz von Antibiotika angesagt. Aber in den restlichen 99% braucht es einfach Geduld und Vertrauen. Und genau damit haben viele Menschen ein Problem. Sie haben kein Vertrauen in ihre Selbstheilungskräft, wenig Vertrauen darin, dass sie das Richtige tun und eine große Angst. Ich habe das Gefühl, die Basis dieser Anspannung ist ein viel größeres Thema: nämlich die Angst zu sterben. Ich kann es mir nicht anders erklären. Wieso ist sonst die Aufregung so groß, wieso ist sonst der Anruf so dringend (oft abends oder nachts)? Auffallend ist auch, dass niemand in der Umgebung (Familie, Freunde) diesen Menschen ihre Angst nehmen kann, im Gegenteil, sie verstärken mit ihren Bedenken die Anspannung noch zusätzlich. Das tut natürlich nicht gut.

Vertrauen ist das Gegenmittel

Ganz allgemein bemerke ich eine große Verunsicherung, wenn es um körperliche Beschwerden geht. Viele Menschen spüren ihren Körper zu wenig und vor allem haben sie kein Vertrauen in ihn. Ihnen fehlt die Gewissheit, dass ihr Körper stark ist und ihre Selbstheilungskräfte mit den meisten Krankheiten ganz einfach fertig werden. Nehmen wir das Beispiel Antibiotika. Viele denken, sie heilen uns. Das stimmit jedoch nicht. Antibiotika töten Bakterien, das machen sie meist recht gut, aber das ist auch schon alles. Heilen tun wir uns selbst. Der Körper besitzt eine innere Weisheit und die Fähigkeiten, sich selbst zu heilen. Das braucht allerdings seine Zeit. Und dauert manchmal länger, als unser Verstand es erwartet. Muss das nun Angst machen? Wir haben die Wahl. Wir können uns an die vielen Male erinnern, wo unser Körper es geschafft hat. Wir können daran denken, wie schnell wir bei einem Arzt sein können, wenn es uns schlechter geht. Und dass wir in einem Land leben, in dem alle Medikamente innerhalb von Minuten zur Verfügung stehen. Und wir können das wirkliche Thema einmal auf den Tisch legen und ansehen: wovor haben wir in Wahrheit Angst, wenn ein kleiner Mückenstich soviel Unruhe hervorruft? Geht es vielleicht um unsere Sterblichkeit? Ist die Angst vor dem Tod die Basis für viele kleine Ängste? Das Sterben ist ein großes Thema, aber nur deshalb, weil wir damit den Tod unseres Körpers verbinden. Sterben passiert in jedem Moment unseres Lebens, es ist ein Teil davon. In jedem Augenblick sterben Körperzellen und neue werden gebildet. Wir entwickeln uns auf anderen Ebenen, lernen, wachsen, verändern uns. Dafür lassen wir Altes los und begrüßen Neues. Auch eine Art Sterben. Dafür braucht es ebenfalls Vertrauen und auch das kann manchmal Angst machen. Ich habe mich dafür entschieden, mehr Vertrauen zu haben: in mich, in meine Kraft, in meinen Körper. Damit kann ich mich besser entspannen, mein Körper hat mehr Energie zum Heilen und ich sammle Erfahrungen, die mir beim nächsten Mal Halt geben. Ich wünsche mir so sehr, dass ich den Menschn in den Beratungsgesprächen von menem Vertrauen etwas mitgeben kann. Dass dieser Funken Vertrauen das Urvertrauen in ihnen wieder aufweckt und stärkt. Vertrauen und Geduld sind starke Medikamente. Setzen wir sie ein!

Ich wünsche Ihnen einen unbeschwerten Sommer und eine gute Gesundheit! Ihre Dr. Kerstin Joost, www.angels4health.de

…und ich lade Sie herzlich zu meinem Workshop in Luzern am 14.10.17 ein.

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